Aufgrund von Zahn- und Kieferfehlstellungen entstehen
Schmutznischen, die sowohl der Selbstreinigung durch
Speichel und beim Kauen, wie auch der täglichen Mundhygiene
nicht zugänglich sind. Dies hat zur Folge, dass ein
erhöhtes Risiko für Karies- und Parodontalerkrankungen
wie Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) und
Zahnhalteapparaterkrankungen (wie z.B. Parodontitis) resultiert.
Kieferfehlstellungen, die ein richtiges Aufeinanderbeißen der
Zähne nicht zulassen, haben eine gestörte Abbeiß- und
Kaufunktion zur Folge.
Zudem kann eine ungleichmäßige Belastung einzelner Zähne oder
Zahngruppen zu Zahnbetterkrankungen, Zahnkippungen und
Kiefergelenksschmerzen führen und die Ursache von
Tinnitus und Migräne sein.
Fehlstellungen wirken sich neben funktionellen und
prophylaktischen Gesichtpunkten aufgrund ihrer Einwirkung auf
die Gesichtsproportionen, Lachlinie
oder den Profilverlauf unharmonisch und nicht
zuletzt auch häufig ästhetisch störend aus.
In der modernen Kieferorthopädie ist eine Behandlung in jedem Lebensalter möglich.
Das können angeborene oder erworbene Fehlstellungen
sein.
Unter angeborenen Kieferfehlstellung versteht man
z.B. die echte Progenie, d.h. ein zu großer Unterkiefer, bei welchem
die unteren Schneidezähne vor die oberen Frontzähne beißen
(frontaler Kreuzbiss), oder ein Deckbiss, bei dem die oberen
Schneidezähne in der Schlussbissstellung die unteren Zähne völlig
überdecken. Hinzu kommen die Gruppen der angeborenen Missbildungen,
wie Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, oder andere Syndrome.
Viele Faktoren führen zu erworbene Fehlstellungen.
Frühzeitiger Verlust von Milchzähnen (Verlust des
natürlichen Platzhalters für den bleibenden Zahn) ist eine der
häufigsten Ursache für Durchbruchsbehinderung der bleibenden Zähne
durch Zahnwanderungen, Lückeneinengungen und Zahnkippungen. Aber
auch so genannte "Habits" (schlechte
Angewohnheiten), wie Daumenlutschen, Nägelbeißen, Einsaugen der
Unterlippe oder auch Zungenpressen verursachen Fehlentwicklungen.
Das langjährige Lutschen führt zu Verformung des Oberkiefers, einer
Rückverlagerung des Unterkiefers und häufig zu einem lutschoffenen
Biss. Die Folgen sind eine gestörte Abbeißfunktion und
Sprachbildungsstörungen (z.B. Lispeln).
Das ist ganz abhängig vom Schweregrad der jeweiligen Zahnfehlstellung und dem Alter des Patienten.
Der günstigste Zeitpunkt, abhängig vom Zahnwechsel, liegt zwischen dem 8ten und 11ten Lebensjahr. Eine Behandlung als Frühbehandlung im kompletten Milchgebiss wird nur selten und bei ausgeprägten Fehlstellungen eingeleitet.
Ziel ist es nach Möglichkeit alle gesunden Zähne zu erhalten. Dies ist durch Einsatz modernster Behandlungstechniken und Geräte in den meisten Fällen sehr gut möglich. Nur in Fällen mit extrem ausgeprägtem Platzmangel auf Grund großer Abweichung zwischen Zahnbreite und Kiefergröße ist es auch heute manchmal noch erforderlich, Zähne zu extrahieren.
Das Eingliedern der festsitzenden Zahnspange verursacht keine Schmerzen. Die Zähne können einige Tage danach druckempfindlich reagieren. Schon nach kurzer Zeit legt sich diese Reaktion jedoch wieder, so dass ein gewohntes kraftvolles Zubeißen wieder möglich ist.
Zu harte Speisen, wie Brotrinde und Nüsse sollten vermieden werden. Es ist sinnvoll, Äpfel oder Karotten in kleine Scheiben zu schneiden. Auf Kaugummis, Karamellbonbons und sonstige stark klebrige Speisen sollte ganz verzichtet werden.
Bei richtiger Zahnpflege kann keine Karies entstehen.
Bei einer Behandlung mit herausnehmbaren Geräten sind alle 5-7-Wochen Kontrollen notwendig. Bei einer Behandlung mit festsitzender Zahnspange sind alle 4 Wochen Termine einzuhalten.
Grundsätzlich ja; Voraussetzung für die Stabilität ist eine korrekte Behandlungsplanung mit Beachtung aller Aspekte, wie Kieferwachstum, Profil, Zahnachsen und Platzanalyse (ausführliche Besprechung finden Sie unter Therapieplan). Die "Rückfallneigung" der Zähne ist besonders groß, wenn die festsitzende Zahnspange gerade abgenommen wird. Das Ergebnis muss dann unbedingt stabilisiert werden. Hierfür sind herausnehmbare Zahnspangen ("Retainer") während der Nacht zu tragen oder besonders zuverlässig die so genannten "geklebten Retainer" (Lingualretainer), ein ganz dünner Draht auf der Innenseite der Zähne.